Antreiber
Zeitgenössischer Ausdruck für Personen, die andere zur Flucht drängten. Er ist wertend und sollte nur als zitierter Quellenbegriff verwendet werden.
Aussiedler
In der Bundesrepublik meist Bezeichnung für deutschstämmige Zuwanderer aus Osteuropa, besonders seit den 1950er-Jahren; rechtliche Kategorien änderten sich.
Beneš-Dekrete
Präsidialdekrete der Tschechoslowakei 1940–1945. Einige regelten Verwaltung und Konfiskation deutschen Vermögens; Inhalt und regionale Anwendung müssen einzeln geprüft werden.
Egerländer
Menschen aus dem Egerland (tschechisch Chebsko) oder Angehörige seiner regionalen Kultur; keine automatisch einheitliche Volkszugehörigkeit.
Flüchtling
Person, die aus Furcht vor Verfolgung oder Gewalt Schutz sucht. Im deutschen Nachkriegsrecht gab es eigene Statusdefinitionen.
Heimatrecht
Historisches kommunales Unterstützungs- und Zugehörigkeitsrecht, das in Österreich und Böhmen an Gemeindezugehörigkeit geknüpft sein konnte.
Kollektivschuld
Die pauschale Zuschreibung von Schuld an eine gesamte Volksgruppe. Historische Forschung unterscheidet individuelle Verantwortung und strukturelle Beteiligung.
Lastenausgleich
Bundesdeutsches Gesetz von 1952 zur Entschädigung und Finanzierung von Kriegsschäden, unter anderem für Vertriebene; keine vollständige Restitution.
Matrik
Kirchen- oder Personenstandsregister für Taufen/Geburten, Trauungen und Sterbefälle; regional auch Matrikel genannt.
Reichsgau
Verwaltungseinheit des NS-Staates. Das Sudetenland wurde 1939 als Reichsgau organisiert; der Begriff beschreibt NS-Verwaltung, keine neutrale Region.
SdP
Sudetendeutsche Partei unter Konrad Henlein, 1935 gegründet. Sie radikalisierte sich 1938 und arbeitete mit dem NS-Regime zusammen.
Sprachinsel
Gebiet mit einer sprachlichen Minderheit in anderssprachiger Umgebung. Der Begriff sagt nichts über politische Loyalität oder individuelle Identität aus.
Transfer
Nach 1945 international verwendeter Begriff für die organisierte Überführung deutscher Bevölkerung aus der Tschechoslowakei und anderen Staaten.
Umsiedler
Person, die staatlich organisiert den Wohnort wechselt. NS- und Nachkriegsbehörden verwendeten den Begriff unterschiedlich; Kontext angeben.
Vertriebener
Person deutscher Staatsangehörigkeit oder Herkunft, die infolge des Zweiten Weltkriegs ihre Heimatgebiete verlassen musste; bundesdeutsche Rechtsdefinitionen sind enger.
Volkszählung
Staatliche Erhebung von Bevölkerung und Merkmalen wie Sprache. Kategorien und politische Rahmenbedingungen müssen quellenkritisch berücksichtigt werden.
Vertreibung
Erzwungene Entfernung einer Bevölkerung durch Gewalt, Drohung oder staatliche Maßnahmen. Für 1945–1946 existieren ergänzende Begriffe wie „wilde“ und „geregelte“ Vertreibung.
Vypořádací kancelář
Tschechisches „Ausgleichsbüro“; Akten solcher Stellen können Nachkriegsentschädigungen oder Vermögensfragen dokumentieren. Bestand und Zugang im Národní archiv prüfen.
Zivilstandsregister
Staatliche Register für Geburten, Eheschließungen und Sterbefälle, die kirchliche Bücher ergänzen oder ersetzen; Einsicht unterliegt Schutzfristen.
Zwangsmigration
Übergreifender wissenschaftlicher Begriff für erzwungene Ortswechsel durch Krieg, Verfolgung oder staatliche Maßnahmen; er umfasst Flucht, Vertreibung und Deportation.