Die Liste ordnet zentrale, belegte Wendepunkte ein. Sie erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und ersetzt keine Regionalgeschichte. Jahreszahlen folgen dem gregorianischen Kalender; Datumsbereiche zeigen, wenn Ereignisse über mehrere Monate liefen.

1848
Revolutionen im Habsburgerreich; Forderungen nach Verfassungen und nationaler Gleichberechtigung prägen auch Böhmen und Mähren.
1867
Der Österreichisch-Ungarische Ausgleich schafft die Doppelmonarchie; Böhmen, Mähren und Schlesien bleiben im österreichischen Teil.
1918
Nach dem Zerfall der Habsburgermonarchie entsteht die Tschechoslowakische Republik (ČSR).
1919
Der Vertrag von Saint-Germain bestätigt die staatliche Zugehörigkeit der böhmischen Länder zur ČSR.
1921
Die erste tschechoslowakische Volkszählung erfasst unter anderem Sprache und Nationalität; Kategorien sind quellenkritisch zu lesen.
1930
Die Volkszählung dokumentiert die mehrsprachige Bevölkerungsstruktur der ČSR vor der Weltwirtschaftskrise.
1933
In Deutschland beginnt die NS-Diktatur; politische und wirtschaftliche Einflüsse wirken auf deutsche Parteien in der ČSR.
1935
Konrad Henleins Sudetendeutsche Partei (SdP) wird gegründet und gewinnt bei den Wahlen zahlreiche Stimmen im deutschsprachigen Grenzgebiet.
1938
Das Münchner Abkommen erzwingt die Abtretung der Sudetengebiete an das Deutsche Reich.
1938-09-29/30
Deutschland, Italien, Großbritannien und Frankreich unterzeichnen in München das Abkommen ohne tschechoslowakische Beteiligung.
1939
Deutsche Truppen besetzen die Rest-Tschechei; das Protektorat Böhmen und Mähren wird eingerichtet.
1942
Nach dem Attentat auf Reinhard Heydrich verübt das NS-Regime Massaker, unter anderem in Lidice und Ležáky.
1944
Die Kriegsfront erreicht Ostmitteleuropa; Evakuierungen, Zwangsarbeit und Verfolgung verschärfen sich.
1945-05
Das Deutsche Reich kapituliert; in der Tschechoslowakei beginnen Nachkriegsgewalt, Internierungen und Enteignungen.
1945-05/06
Die Beneš-Dekrete und weitere Maßnahmen schaffen den rechtlichen Rahmen für Konfiskationen und den Entzug der Staatsangehörigkeit; Umsetzung und Betroffenheit unterscheiden sich regional.
1945-06
Die Potsdamer Konferenz berät über die Überführung deutscher Bevölkerung aus Polen, der Tschechoslowakei und Ungarn.
1945-07/08
Auf der Potsdamer Konferenz wird ein „ordnungsgemäßer und humaner“ Transfer der deutschen Bevölkerung vereinbart.
1945-10
Die Tschechoslowakei verabschiedet weitere Dekrete zur Nationalverwaltung und Konfiskation deutschen Vermögens.
1946-01
Organisierte Transporte aus der Tschechoslowakei in die amerikanische und sowjetische Besatzungszone Deutschlands beginnen.
1946-11/12
Die Hauptphase des geregelten Transfers ist weitgehend abgeschlossen; Nachzügler und Familienzusammenführungen dauern an.
1948
Die kommunistische Machtübernahme in der Tschechoslowakei verändert Eigentumsordnung und politische Rahmenbedingungen.
1950
Die Volkszählung in der Tschechoslowakei erfasst die stark veränderte Bevölkerungsstruktur nach Krieg und Vertreibung.
1953
In der Bundesrepublik beginnt die mehrbändige „Dokumentation der Vertreibung der Deutschen aus Ost-Mitteleuropa“.
1955
Die Bundesrepublik und die Tschechoslowakei nehmen diplomatische Beziehungen auf; Kontakte bleiben politisch belastet.
1997
Die Deutsch-Tschechische Erklärung setzt einen politischen Rahmen für Dialog, Gedenken und gemeinsame europäische Zukunft.

Zu Begriffen und Quellen führen das Glossar und die Literaturliste. Bei strittigen Zahlen oder Datierungen nennen wir die Unsicherheit ausdrücklich.